Hardkitsch DeLuxe /                                                           New Post Pop-Surrealism


Und plötzlich tragen alle eine Schleife im Bart...

 

Ein faszinierendes Phänomen ist die Tatsache, dass seit jeher immer wieder an weit voneinander entfernten Orten Künstler zur gleichen Zeit ähnliche Bildsprachen und Arbeitsweisen entwickeln.

 

Heute, im Zeitalter des Global Village, der durch leichte Reisemöglichkeit und elektronische Vernetzung zum Dorf geschrumpften Welt, ist das vielleicht noch erklärlich. Der Künstler kann zufällig an anderen Orten etwas gesehen haben, was in seine Arbeitsweise einfließt.

 

Es war aber schon immer so: Auch als z. B. eine Reise nach Italien noch Wochen dauerte und die meisten Menschen ihre Heimatstadt nie verließen, entstanden an unterschiedlichen Orten sehr ähnliche Stile und Stilepochen. Dies gilt im Übrigen nicht nur für die Bildende Kunst, sondern auch für die Musik und die Wissenschaften.

 

Irgendetwas scheint vorbegrifflich in der Luft zu liegen, was Künstler wahrnehmen und auf vergleichbare Weise zum Ausdruck bringen. Vielleicht lässt sich dieses Phänomen am ehesten damit erklären, was Carl Gustav Jung als Kollektives Unbewusstes bezeichnete.


Der Begriff Hardkitsch DeLuxe ist in den 1980ern in meinem Freundeskreis in Paris entstanden – der Begriff war durchaus eine Verballhornung der immer wieder auftauchenden Frage nach dem Stil.

 

Der Begriff wurde also nicht vom Kunstmarkt oder von Kunstgeschichtlern – und somit von außen – geschaffen, sondern von den Künstlern selbst. Der Stilbegriff als eigene Kunstschöpfung.

 

Schon zu dieser Zeit, also noch vor meiner 25jährigen Kunstauszeit, traten vereinzelt Gartenzwerge in meinen Arbeiten auf. Die gleichen Gartenzwerge, Urbilder für kleinbürgerlichen Kitsch, wurden nach meiner Wiederaufnahme der Kunstproduktion Anfang 2013 mit einiger Penetranz zum immer und überall in meinen Bildern auftauchenden Bildelement. Später gesellte sich der große Bruder des Gartenzwerges, der ‘röhrende Hirsch’ hinzu. Auch hier war die Verwendung noch vor der Benennung und nicht bewusst. Erst als ich immer wieder nach dem “aber warum Gartenzwerge?” oder “was bedeuten die Zwerge?” gefragt wurde, begann ich selbst nach Erklärungen zu suchen und fand sie bei den Protagonisten des Klein(st)bürger- und Spießertums, unter denen ich während meiner gesamten Kindheit und Jugend so sehr gelitten habe.


Meine ersten praktischen Erfahrungen im Bereich der Bildenden Kunst waren surrealistische Bilder im Stile von Salvador Dalí, René Magritte und Max Ernst. Drogenerlebnisse in dieser Zeit und die intensive Beschäftigung mit den Psychoanalytikern passten perfekt dazu. Als ich dann an die Kunstakademie kam, wurde mir schnell bewusst, dass ich mich die ganze Zeit stilistisch in der Vergangenheit bewegt hatte. Eine schwere Krise, an deren Ende ich eine ganz eigene Stilsprache entwickelte. 

 

Während des Studiums entwickelte sich der Siebdruck zu meinem bevorzugten künstlerischen Medium, ergänzt durch die noch in den Anfängen steckenden Medien Polaroidfotografie und Fotokopie. Die zweitklassige Qualität, die diese Medien produzierten. Industrielle Produktionsweisen für die Kunstproduktion – wir fühlten uns als Kunstarbeiter im Gegensatz zu den lieblichen ‘Gold und Silber lieb ich sehr’-Künstlern mit Baskenmütze. Die Pop Art Künstler Warhol, Rauschenberg, und Jones waren unsere Helden in deren Tradition wir uns verstanden.

  

War meine Malerei 2013 eher grob und großflächig, so wurde sie im Laufe des Jahres 2014 immer kleinteiliger und differenzierter. Irgendwann fiel mir dann auf, dass sie immer surrealistischer wurde. Gleichzeitig erkannte ich, dass sich überall auf der Welt wieder surrealistische Tendenzen zeigten. Die Kombination von Produktionsweise und Motiven im Sinne der Pop Art und der Bildsprache des Surrealismus ließen den Stilbegriff New Pop-Surrealism entstehen.

 

 


And all of a sudden everyone is wearing a ribbon in the beard... 

 

One fascinating phenomena is the fact that at all times, again and again artists, from geographically opposed places, develop, at the same time, imagery and working methods in similar mode.

 Today, at the age of the global village, in which the world is shrunk, due to easy travel possibilities and the internet, this seems most plausible - the artist could have come across something at a different place, which then becomes integral to the own working methods.

 

But this was always the case: e. g. at a time when a journey from Francfort to Italy took several weeks and most people never left their home town, we can see the emergence of very similar styles and style periods. This phenomena is not only confined to fine art, but applies to music and the sciences as well.

Something pre-apprehensible seems to float through the ether, which artists perceive and express in comparable manner. Maybe this very phenomena comes close to what Carl Gustav Jung calls: The Collective Unconscious.

 

The term: Hardkitsch DeLuxe emerged in the 1980’s among friends in Paris - the term was indeed a transmogrification of the ever present question regarding style definition.

 The term was not created by external influences, like market forces or art historians, but by the artists themselves. The term - idea, conception - as the artists creation.

 

Already, at this early stage, before my 25 years of absentia, garden gnomes featured sporadically in my works.

The same garden gnomes - original symbols of petite bourgeois kitsch - creeping back with a vengeance and are integral in my present works since I resumed  art production in 2013. Later, the big brother of the garden gnome, the "roaring stag" joined the club and so on...

Again, the inclusion happened unconsciously, before the fixation of the term took place. Only after the always occurring questions: "but why garden gnomes" or "what is the significance of the gnomes", I started to look for explanations, which I duly found among the protagonists of the petite bourgeoisie and the philistines who made me suffer throughout my childhood and youth.

 

My first practical experiences in the field of fine art were surreal paintings in the style of Salvador Dali, René Magritte and Max Ernst. Experiences with drugs, at the time, and intensive study of the psychoanalysts amalgamated nicely.

 

When I entered the academy of the arts, I quickly realized that, stylistically, I wallowed around in the past. Initially a devastating crisis from which at the end a very own stylistic language arose.

 

During my studies the silkscreen process became my preferred artistic medium, complemented by the

still evolving media polaroid photography and photocopy.

Fascinated by the distinctly second rate quality these media produced - industrial art production methods.

We emphasized or embodied art WORKERS in stark contrast to the art establishment - complete with basque berets - who seemed to care more about image preservation then progressive art development.

The pop artists: Warhol, Rauschenberg and Jones were our heroes and it was their tradition we were upholding.

 

If in 2013 my painting was rather course and flat, so it became more and more detailed and differentiated during 2014. At some point I noticed it also became more and more surreal. Simultaneously I recognized emerging surreal tendencies, worldwide.

The combination of production methods and motives, in agreement with pop art and surrealist imagery, was instrumental in the birth of the term: New Pop-Surrealism.